Archiv des Bündnis gegen Rechts Braunschweig

Erlebnisbericht einer 15jährigen Gymnasiastin

Wir waren mit mehreren Leuten auf der Blockade gegen die NPD-Demo am 18.6.2005. Um ca. 12.00 Uhr postierten wir und auf der Straße am Kaufhof. Wir standen in der zweiten Reihe und haben mit den anderen Demonstranten zusammen Ketten gebildet. Nach etwa 20 Minuten kam die erste Aufforderung, dass wir den Platz verlassen sollen. Als der Lautsprecher sich meldete haben alle angefangen zu pfeifen, man hat kaum etwas verstanden, da der Lautsprecherwagen sehr weit weg stand. Nach etwa 5 kaum verstehbaren Aufforderungen den Platz zu verlassen, da man ihn sonst mit dem "Einsatz leichter körperlicher Gewalt" räumen würde, waren ca. 1  1/2 Stunden vergangen. Nach der dritten Aufforderung den Platz zu verlassen haben uns die Polizisten nicht mehr raus gelassen!

Wir KONNTEN überhaupt nicht gehen, die letzten beiden Auforderungen folgten. 

Die Reihen haben sich verengt und die Ketten haben sich hart zusammen geschlossen. Die Polizisten standen uns gegenüber und haben wohl auf ihren Einsatzbefehl gewartet. Der dann auch gegeben wurde. Denn auf einmal stürmten die "Beamten" los und durchbrachen die ersten Reihen an einer Häuserwand. Da wir uns nicht zurückdrängen ließen postierten sie sich dann zu fünf Mann und haben einzelne Angriffe gestartet, mit Erfolg. Sie drangen in unsere Reihen und haben angefangen die ersten einzukesseln. Ich hatte mich auf beiden Seiten mit anderen Leuten eingehakt und auf einmal kamen zwei Polizisten auf uns zu. Einer von den beiden griff dem Jungen neben mir in seine Rastalocken und zog daran, während der andere an dessen Schultern zog. Wir haben gebrüllt : "keine Gewalt!" doch die haben ihm an den Haaren gerissen und ihn gezogen. Er hat sich dagegen gesträubt und ich habe seinen Arm umklammert gehalten, weil er gejammert hat: "Haltet mich fest, lasst mich bloß nicht los!" Da kamen dann noch zwei weitere Polizisten und einer von denen hat mir mit seinem Knüppel auf Handgelenk geschlagen. Ich habe meinen Griff vor Schmerz kurz gelockert, den Jungen aber gleich darauf wieder festgehalten. Da hat mir der Beamte in die Augen gesehen und wortwörtlich gesagt:" Lass ihn los, den nächsten Schlag bekommst du ins Gesicht!" Ich habe nicht losgelasse, bis ich sah, dass der Bulle mit seinem Knüppel ausgeholt hat. Ich denke mal er war im Begriff mir das Teil mit voller Breitseite ins Gesicht zu rammen, bevor es dazu kam habe ich aus Eigenschutz den Jungen losgelassen. Der Polizist packte seine Schultern und hat ihn mit den anderen zu sich gerissen, was dieser mit einem Aufschrei bemerkte. Einer der Polizisten hatte ihm so an den Haaren gerissen, dass ihm Blut über die Stirn lief, man hatte ihm wohl die Kopfhaut ziemlich kaputt gerissen. Er wurde von zwei Bullen weggeschleppt und der Kessel um uns herum schloss sich.

So standen wir da, etwa an die 80 Leute in einem Kessel und konnten uns kaum bewegen. Wir haben uns gegenseitig festgehalten und immerwieder haben Polizisten in vier- oder fünfer Trupps Angriffe gestartet und einzelne von uns mit roher Gewalt nach draußen transportiert. Die Knüppel sind nur so geflogen. Einer meiner Kumpels wurde von hinten am Kinn gepackt und dann Kopfüber aus dem Kessel gezogen, als er auf der Erde lag bekam er einen schlag in die Brust. (er hat eine gebrochene Rippe) Zwischen den einzelnen Festnahmen vergingen immer an die 10 Minuten, die wir eingekesselt in der prallen Sonne standen. Einige der Demonstranten ließen sich freiwillig mitnehmen, weil man ihnen versicherte, dass sie nur einen Platzverweis bekamen. Doch dem war nicht so, auch sie wurden mit in Gewahrsam genommen. Ich blieb mit ein paar meiner Freunde unter denen, die nicht freiwillig gegangen sind, wir standen in einander gehakt da und haben zugesehen wie die freiwilligen gingen.

Auf mehrere Anfragen nach Toiletten oder etwas zu trinken hieß es immer nur: "Kommt noch." Die Polizisten haben uns nicht aus dem Kessel gelassen, sie wollten uns alle festnehmen. Ein Kollege von mir hat einen Astmaanfall bekommen und durfte sein Spray zuerst nicht aus dem Rucksack holen. Wir haben ihn dann abgeschirmt, damit er dies unbehelligt tuen konnte. Irgendwann waren wir nur noch etwa 20 Leute und da beschlossen die Bullen, in den Schatten zu gehen. Wir wurden also allesamt in eine schattige Ecke geschoben. Etwas zu trinken und Toiletten waren noch immer nicht in Sicht. Wir setzten uns an eine Wand und warteten darauf, dass alle abgeführt wurden. Nach einiger Zeit kamen drei Polizisten zu mir und meinten: "Aufstehen!" Ich habe nicht richtig mitbekommen wen sie gemeint haben und habe nicht reagiert. Da hat mir einer von ihnen in die Seite getreten und meinte: "Aufstehen, sofort!" Ich habe ihn angesehen und dann haben mich zwei andere an den Armen gepackt und vornüber auf die Straße geschmissen. Einer hat sich auf mich gekniet und mir das Gesicht seitlich auf die Erde gedrückt, während zwei andere meine Arme brutalst (!!) auf den Rücken gedreht haben. Dann haben sie mich an den Armen zwischen sich hergezogen, ich bin gestolpert und fast auf die erde gefallen, da haben sich mich hinter sich hergeschliffen, mein Arm wurde aufgerissen und eine Glasscherbe hat mir den Handballen aufgeschnitten. Doch das alles hat sie nicht interessiert, ich wurde an eine Wand gestellt, durchsucht, gefilmt und fotografiert. Dann kam ich mit anderen in einen Bus und wir wurden weggekarrt. Dann saßen wir noch etwa eine Stunde in dem kleinen Bus ohne Klimaanlage der in der Sonne stand. Es war unerträglich heiß, und auf die Bitte hin die eine Tür, die noch durch Gitter von uns getrennt war, aufzumachen wurden wir nur ausgelacht. Etwas zu trinken gab es noch immer nicht und unsere Toilettenwünsche wurden erfolgreich missachtet.


 

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