Archiv des Bündnis gegen Rechts Braunschweig

Pressemeldung

Neue Braunschweiger, 19.10.2003:

Mehr Polizei als Schaulustige - Sicherheitskräfte brachen NPD-Demonstration auf dem Europaplatz nach zwei Stunden ab

Braunschweig (anh). Weder Verletzte noch Sachbeschädigungen – so lautete die positive Bilanz der Polizei gestern nach der Demonstration der NPD.
Rund 170 Anhänger der NPD, darunter viele sehr junge Leute, starteten ihren Zug am Hauptbahnhof auf der Kurt-Schumacher-Straße Richtung Innenstadt mit eineinhalbstündiger Verspätung. Zuerst kam der Lautsprecherwagen zu spät, dann mussten sich 20 NPD-Demonstranten ihrer Springerstiefel entledigen. Sie sind als Symbole des Naziregimes verboten.
Als sich der Zug schließlich in Bewegung setzte, wurde er von einem starken Aufgebot von Polizei- und BGS-Beamten sowie Fahrzeugen eskortiert. Schaulustige gab es kaum. 1600 Beamte aus ganz Niedersachsen, darunter zwei Hundertschaften aus Sachsen-Anhalt, waren in der Stadt. „Es ist einer der größten Einsätze in der Braunschweiger Nachkriegsgeschichte“, sagte Polizei-Sprecher Sven-Marco Claus.
Eine halbe Stunde nach dem Start kam es zum ersten „Kontakt“ des NPD-Zuges mit der Gegendemonstration. Auf dem John-F.-Kennedy-Platz hatten sich 400 linksgerichtete Demonstranten versammelt. „Nazis raus“-Rufe wurden laut. Die Polizei schirmte beide Demonstrationen voneinander ab. Sie befanden sich in Sichtweite, ohne sich begegnen zu können. Die Polizei leitete die NPD-Anhänger kurzerhand in Richtung Güldenstraße um.
Die NPD antwortete den Gegendemonstranten per Lautsprecher, dann zog die Demonstration weiter. Die Gegenfraktion löste sich scheinbar auf.
Doch viele der linksgerichteten Demonstranten strömten zunächst Richtung Hagenmarkt, schlugen dann den Weg zur Güldenstraße ein. Dort wollten sie den Zug der NPD erneut blockieren.
Die Polizei zog schließlich die Notbremse. Am Europaplatz brach sie den Zug der NPD nach rund zwei Stunden vorzeitig ab, begleitete die Demonstranten, die allesamt nicht aus Braunschweig kamen, zurück zum Bahnhof.
„Wir konnten nicht die komplette Route freihalten und befürchteten eine erhebliche Konfrontation“, erläuterte Polizei-sprecher Sven-Marco Claus.
23 Demonstranten erhielten nach Angaben der Polizei Platzverweise, 18 Personen wurden vorübergehend festgenommen. Sie waren kurz nach dem Ende der beiden Demonstrationen wieder frei. Gegen neun linksgerichtete Teilnehmer wird ein Strafverfahren eingeleitet.
Das starke Polizei-Aufgebot war der Garant für einen friedlichen Verlauf der Demonstration, meinte Claus. Eine Eskalation der Gewalt sei so vermieden worden.


 

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